Was ist Wahrheit? - Eine Verfassungsfrage

Wahrheit im Verfassungsrecht findet sich als Wahrheit im Glauben, Wahrheit im Wissen und Wahrheit auf der Suche. Die grundrechtlich gewährleistete Glaubensfreiheit schützt die subjektive Wahrheit des Individuums, das Staatskirchenrecht erkennt den Glauben als Wahrheitserkenntnis in organisierter For...

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Bibliographic Details
Main Author: Leisner-Egensperger, Anna 1970- (Author)
Format: Print Article
Language:German
Check availability: HBZ Gateway
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Fernleihe:Fernleihe für die Fachinformationsdienste
Published: Berliner Wissenschafts-Verlag 2018
In: Kirche & Recht
Year: 2018, Volume: 24, Issue: 2, Pages: 219-228
Standardized Subjects / Keyword chains:B Truth / Public law
IxTheo Classification:SB Catholic Church law
XA Law
Further subjects:B Constitutional law
Description
Summary:Wahrheit im Verfassungsrecht findet sich als Wahrheit im Glauben, Wahrheit im Wissen und Wahrheit auf der Suche. Die grundrechtlich gewährleistete Glaubensfreiheit schützt die subjektive Wahrheit des Individuums, das Staatskirchenrecht erkennt den Glauben als Wahrheitserkenntnis in organisierter Form an. Das Prozessrecht soll dafür sorgen, dass die Entscheidungsgrundlagen im Augenblick der Entscheidung materiell richtig vorliegen. Der Staat ist insoweit aber nicht der höchste Wissende, er ist nur Wächter einer Ordnung. Die Wahrheitssuche hat die öffentliche Hand finanziell zu fördern, ohne angeblich unumstößliche Erkenntnisse mit Zwangs- oder Sanktionsmechanismen abzusichern. Der Staat kennt die Wahrheit nicht, ihre Inhalte kann er nicht erzwingen. Für ihn gibt es also nur Wahrheit im Sinn der subjektiven Wahrheiten der Menschen, die in seiner Gemeinschaft leben. Eine objektive Wahrheit darf der Staat nicht setzen. Der vorliegende Beitrag beruht auf dem Eröffnungsvortrag der Verfasserin zu einer Jahrestagung des Vereins Christ und Jurist. Finding truth in constitutional law arises from truth in faith, truth in knowledge and in general from searching for truth. Religious freedom which is guaranteed by the constitution shall protect the subjective truth of each individual; whereas state-church law respects faith as perception of truth but established in an organised form. It is in procedural law's responsibility to take care that decision-making foundations are substantively correct by the time of judgement. Hence, the state is not the greatest initiate, it is just the guardian of the order. Searching for truth must be financially supported by the state without safeguarding insights, which apparently seemed irrefutable, with sanctions or compulsory measures. The state does not know the truth, it cannot obtain the truth's content by force. It is basically bound by the truth in a subjective manner, provided by individuals living in its community. The state is not allowed to create an objective truth. The article available is based on the opening lecture given by the author at an annual conference of the association "Christ und Jurist"
ISSN:0947-8094
Contains:Enthalten in: Kirche & Recht