Die Völkertafel von Genesis 10 als genealogische Raumordnung. Form, Funktion, Geographie

Die sogenannte Völkertafel von Genesis 10 ist ein fiktionalerText, der die Kategorien Abstammung und Verwandtschaft als Darstellungsmittel verwendet, um in narrativer Weise eine räumliche Ordnung der vorfindlichen Welt vorzunehmen. Das Kapitel ist ein ausgewogen strukturiertes Ganzes, das die Aspekte...

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Bibliographic Details
Main Author: Hieke, Thomas 1968- (Author)
Format: Electronic/Print Article
Language:German
Check availability: HBZ Gateway
Fernleihe:Fernleihe für die Fachinformationsdienste
Published: Edition Topoi 2014
In: Genealogie und Migrationsmythen im antiken Mittelmeerraum und auf der arabischen Halbinsel
Year: 2014, Pages: 23-40
IxTheo Classification:HB Old Testament
Further subjects:B Creation
B Kinship
B Genesis
B Genesis 10
B Table of Nations
Online Access: Volltext (kostenfrei)
Volltext (kostenfrei)
Description
Summary:Die sogenannte Völkertafel von Genesis 10 ist ein fiktionalerText, der die Kategorien Abstammung und Verwandtschaft als Darstellungsmittel verwendet, um in narrativer Weise eine räumliche Ordnung der vorfindlichen Welt vorzunehmen. Das Kapitel ist ein ausgewogen strukturiertes Ganzes, das die Aspekte Sprache, ethnische Zugehörigkeit, räumliche Lage und Verwandtschaft in ein einziges Bild der Völkerwelt integriert. Die Völker kommen in Genesis 10 als autonome Größen eigenen Rechts in den Blick und werden unter drei Ausgangsgrößen (entsprechend den drei Großmachtsphären) systematisiert. Die Darstellung der Völkerschaften als verwandt macht deutlich,dass alle Menschen trotz ihrer kulturellen Eigenheiten zueinander in Beziehung stehen. In der Erzähllinie des Buches Genesis ist die Völkertafel eine Ätiologie für die Ausbreitung der Menschheit im Raum und eine Erfüllung des Schöpfungssegens: Alle existierenden Völker gehören zu der von Gott geschaffenen Menschheit. Die Völkertafel hat außerdem die Funktion, die bekannten Völker geographisch zu verorten und sie über genealogische Beziehungen auch zueinander ins Verhältnis zu setzen. Genesis 10 zeigt die Weltdeutung und die politische Sichtweise ihrer Verfasser zu deren Zeit.
The so-called Table of Nations from Genesis 10 is a fictional text that employs the categories of lineage and kinship as are presentational means for arranging the existing world into a spatial order through narrative.The chapter is a well-balanced whole that integrates aspects of language, ethnic affiliation, spatial locations and kinship into a unique image of the nations of the world.Genesis 10 depicts the nations as autonomous powers of their own right,and groups them systematically into three entities (corresponding to the three imperial spheres). By representing the tribes as interrelated, the Table makes it clear that all people, despite their cultural differences, are related to one another. Within the narrative of the Book of Genesis, the Table of Nations functions as an etiology for the propagation of mankind in space and as a fulfillment of the blessing of creation: All of the existing nations belong to mankind as created by God. Furthermore, the Table of Nations served the function of situating the nations geographically and of placing them in relation to one another through genealogical ties. Genesis 10 reflects its author’s worldview and political views of the time of its origin.
Item Description:Literaturverzeichnis: Seite 38-40
ISBN:3981638409
Contains:Enthalten in: Genealogie und Migrationsmythen im antiken Mittelmeerraum und auf der arabischen Halbinsel
Persistent identifiers:DOI: 10.15496/publikation-37637
HDL: 10900/96254